Wie teuer darf das Girokonto für Jedermann sein?

Dienstag den 14.03.2017

Die Einführung des Girokontos für jedermann war ein großer Schritt. Gefreut haben sich vor allem Verbraucherschützer und die Politik. Banken hingegen schluckten die bittere Pille nur mit Widerwillen. Daran hat sich auch nach einem Dreivierteljahr nur wenig geändert. Das belegen die Konditionen für das Basiskonto. Einige Bankhäuser halten die Hand sehr weit auf. Zu weit, sagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen, und hat jetzt geklagt.

Klage gegen Kontoführungsgebühren

Als der Weg für das Jedermann-Konto Mitte 2016 frei war, damit auch Obdachlose und Flüchtlinge ein eigenes Girokonto eröffnen können, stand fest: Die Gebühren müssen angemessen sein und den Kreditinstituten einen Gewinn ermöglichen. Allerdings gehen die Meinungen darüber, was „angemessen“ ist, weit auseinander. Das hat schon in der Vergangenheit für Ärger gesorgt. Aktuell sind die Deutsche Bank, die Postbank und die Sparkasse Holstein in den Fokus des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) gerückt.

Die Konsumentenschützer argumentieren: „Viele Kreditinstitute halten sich nach Auffassung des vzbv nicht an die gesetzlichen Vorgaben für Basiskontoentgelte.“ Außerdem berücksichtigten Banken nicht das Nutzerverhalten. Die Finanzbranche hält dagegen, dass mit dem Basis-Girokonto ein deutlich höherer Aufwand einhergehe. Zum einen, weil es länger dauere, die persönlichen Daten zu prüfen. Zum anderen, weil die Antragsteller nur schwer zu erreichen seien.

Höherer Aufwand für Banken

Die Postbank verlangt aus diesen Gründen zwei Euro mehr für das Basiskonto. „Wir sind der Auffassung, dass diese Aufwendungen das für das Giro-Basiskonto vorgesehene Entgelt von monatlich 5,90 Euro gegenüber 3,90 Euro für das Postbank Giro plus rechtfertigen“, so das Unternehmen. Ähnlich verhält es sich bei der Deutschen Bank. Sie berechnet 8,99 Euro für das Jedermann-Konto. Dieser Preis bewege sich innerhalb der üblichen Bandbreite im Privatkundengeschäft.

Ob die Kontoführungsgebühren angemessen sind oder nicht, müssen jetzt die Gerichte entscheiden. Die Verbraucherschützer rechnen nicht mit einer schnellen Entscheidung, sondern mit einem Prozess über mehrere Instanzen. Auch die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) ist aktiv. Sie prüft in einigen Fällen, ob die Gebühren marktüblich sind. „Sollte dies nicht der Fall sein, müssten die Institute ihre Preisstrukturen entsprechend der Vorgaben anpassen“, so die BaFin.