Immer mehr Deutsche wechseln ihr Girokonto

Mittwoch den 8.02.2017

Die Treue zur Hausbank wird seit der Niedrigzinsphase bei vielen Kunden auf die Probe gestellt. Sah man bislang großzügig darüber hinweg, wenn hier und da höhere Gebühren für das Girokonto verlangt wurden, scheint der Bogen bei einigen Banken inzwischen überspannt zu sein. Davon profitieren vor allem jene Geldhäuser, die nach wie vor mit einem kostenlosen Konto aufwarten. Allerdings sollte das als kostenlos beworbene Angebot dann auch wirklich kostenfrei sein.

Zehn Euro für die Bankkarte

Die Frage, wann ein Girokonto tatsächlich kostenlos ist, hat jüngst sogar die Gerichte beschäftigt, konkret das Landgericht Düsseldorf. Die Richter dort machten unmissverständlich klar, dass eine Bank weder Kontoführungsgebühren noch eine Gebühr für die Girokarte verlangen darf, wenn sie ihr Konto als „kostenlos“ bezeichnet. Gegenstand der Verhandlung war die Offerte der Sparda-Bank West. Sie versprach in der Werbung ein „kostenloses Girokonto“, wollte auf der anderen Seite aber zehn Euro pro Jahr für die Bankkarte.

Dass Kunden angesichts solcher Geschäftspraktiken auf die Palme gehen, ist verständlich. Auch die ständige Anhebung der Gebühren sorgt zunehmend für Missmut. Und der führt zu einer wahren Kundenwanderung, die im vergangenen Jahr völlig neue Dimensionen erlangte. Das bekam in positiver Hinsicht vor allem die ING-DiBa zu spüren.

370.000 neue Kunden bei der ING-DiBa

„Zu uns kamen zuletzt sehr viele Kunden von der Postbank“, erklärte Roland Boekhout, der Vorstandschef des Unternehmens, während der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2016. Warum? Weil es das kostenlose Konto der Postbank nur noch für Kunden mit einem Gehaltseingang ab 3.000 Euro gibt. Alle anderen zahlen 3,90 Euro im Monat – oder wechseln die Bank.

Allein die ING-DiBa hat im vorigen Jahr 370.000 neue Girokontokunden gewonnen. Das entspricht einem Zuwachs von fast 25 Prozent auf 1,7 Millionen. Andere Banken hätten sich bei ihren Kunden eben weniger beliebt gemacht, so Boekhout. Doch auch die Commerzbank konnte mit ihrem Angebot punkten, bei dem der Mindestgehaltseingang lediglich 1.200 Euro beträgt. Wer sich bislang noch nicht getraut hat, einen Wechsel in Angriff, sollte einfach mal schauen, ob es nicht doch günstiger geht. Unser Girokontovergleich bietet dazu alle Informationen.