Girokonto für jedermann – Zwischenbilanz

Dienstag den 24.01.2017

Lange wurde dafür gekämpft: das Jedermann-Konto. Seit Mitte 2016 ist nun gesetzlich verankert, dass Banken jedem Antragsteller ein Girokonto einrichten müssen. Von dieser Möglichkeit wird inzwischen reichlich Gebrauch gemacht, wie eine erste Zwischenbilanz zeigt. Allerdings gibt es nach wie vor einige Reibungspunkte, an denen noch gearbeitet werden muss, unter anderem die Gebühren.

Das Basiskonto bewährt sich

Profitieren sollen vom Konto für Jedermann vor allem sozial Schwache, Obdachlose und Flüchtlinge. Ihnen war es bislang gar nicht oder nur über teure Umwege möglich, überhaupt ein Girokonto zu führen. Daran änderte auch die Selbstverpflichtung der deutschen Banken nur wenig. Daher griff der Gesetzgeber ein und folgte den Vorgaben aus Brüssel. Erfreut zeigte sich die Finanzbranche nicht darüber. Sie argumentierte unter anderem mit einer Abdeckung von 99 Prozent der Bevölkerung mit einem eigenen Konto.

Nach knapp einem halben Jahr zeigt sich jetzt, dass durchaus Bedarf besteht. Alleine die Frankfurter Sparkasse zählt seit der Einführung des Basiskontos 500 neue Kunden. Die Konten bieten alle nötigen Grundfunktionen. Lediglich der Dispositionskredit bleibt außen vor.

Nur wenige Beschwerden bei der BaFin

Schwierigkeiten hat es bislang kaum gegeben. Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wurden in den ersten sechs Monaten lediglich 200 Anträge eingereicht, damit sie eine Ablehnung prüft. In 70 Fällen erhielten die Antragsteller ihr Girokonto doch noch. Bei den übrigen Kunden galten die Ausnahmeregeln. Wer schon ein Konto sein Eigen nennt, hat keinen Anspruch auf ein weiteres Giro- bzw. Basiskonto. Zudem bedarf es der nötigen Legitimationspapiere. Ansonsten sind den Banken die Hände gebunden.

Die Verbraucherzentralen sind mit der bisherigen Entwicklung rundum zufrieden. Christina Buchmüller vom Verbraucherzentrale Bundesverband erklärte: „Wir sind sehr positiv überrascht.“ Gearbeitet werden müsse noch an zwei Punkten: Den Entgelten für die Kontoführung und den Papieren, mit denen sich Flüchtlinge ausweisen müssen. Diesbezüglich sei man auf einem guten Weg.