Filialbanken drehen an der Gebührenschraube

Dienstag den 9.08.2016

Immer mehr Filialbanken sehen sich gezwungen, die Gebührenschraube beim Girokonto anzuziehen. Den Worten folgen damit vielerorts jetzt auch Taten. Denn bislang wurde oft nur darüber lamentiert, dass die aktuelle Zinssituation sich nicht länger mit kostenlosen Konten in Einklang bringen lässt. Deutlich wird das unter anderem in einer Pressemitteilung der Volks- und Raiffeisenbanken. Sie kündigen an, künftig höhere Gebühren zu verlangen.

Die „kostenlos“-Zeiten sind vorbei

Vorstandsmitglied Horst Kessel erklärte dazu: „Wir hatten in der Vergangenheit einen Wettlauf, dass alles kostenlos sein soll. Diese Zeiten sind vorbei.“ Das Girokonto weiterhin quer zu subventionieren sei jetzt nicht mehr möglich. Das ist eine klare Aussage. Den Kunden dürfte das nicht gefallen. Denn die Mehrheit der Bundesbürger, knapp 84 Prozent, wollen laut einer Studie der comdirect bank ein kostenloses Girokonto.

Nachteile oder gar eine Kundenflucht fürchtet der Genossenschaftsverband trotz der angekündigten Preiserhöhung nicht. Die Qualität der Beratung und ein persönlicher Ansprechpartner seien vielen Verbrauchern wichtiger als die Kosten. „Da sind ein paar Euro Kontoführungsgebühren nicht entscheidend“, meint Horst Kessel. Ob er damit recht behalten wird, zeigt die Zukunft.

Sparkassen heben Kontoführungsgebühren an

Ähnlich verhält es sich bei vielen Sparkassen. Auch sie müssen nach neuen Einnahmequellen suchen, nachdem die Zinsen seit Jahren auf einem Tiefpunkt herumdümpeln. Das zeigt sich am Beispiel der Nord-Ostsee-Sparkasse, kurz Nospa. Sie wird zum 1. Oktober die Gebühren für sämtliche Kontomodelle um jeweils zwei Euro anheben. Das betrifft das Komfort-Giro für aktuell 7,50 Euro im Monat ebenso wie für das Multi-Giro für derzeit 3,50 Euro.

„Zum 1. Oktober werden wir die Grundpreise unserer Girokonten an die Marktentwicklung anpassen“, heißt es dazu in einem Schreiben. Und tatsächlich. Laut Girokontovergleich des „Flensburger Tageblatts“ zählt die Nospa in ihrer Region selbst nach der Teuerung noch zu den günstigeren Instituten.

Die Postbank arbeitet am Gebührenkatalog

Ob das auch für die Postbank gelten wird, lässt sich im Moment noch nicht sagen. Vorstandschef Frank Strauß wies während der Vorstellung der Halbjahreszahlen darauf hin, dass künftig nur noch einige wenige Dienstleistungen rund um das Girokonto gebührenfrei sein werden. Kosten sollen darüber hinaus durch den Ausbau der Digitalisierung gespart werden. Immerhin: Von den reinen Direktbanken hat es bisher noch keine Andeutungen gegeben, dass sie dem kostenlosen Konto den Garaus machen wollen.