Kontoführungsgebühren werden steigen

Donnerstag den 16.06.2016

Die Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG) empfiehlt Banken, sich vom kostenlosen Girokonto zu verabschieden. Dieses Modell rechne sich für die Kreditinstitute nicht mehr. Ein Rat, den viele Kunden bereits zu spüren bekommen haben. Insbesondere Filialbanken drehen eifrig an der Gebührenschraube. Dabei spielt das aktuelle Zinsumfeld eine entscheidende Rolle.

120 Euro Kosten pro Kunde

Die Kosten für die Konten sind seit 2010 weitgehend konstant geblieben. Zwar wurden Filialen geschlossen und der Mitarbeiterstab verkleinert. Die dadurch erzielten Einsparungen schlucken jedoch die höheren Aufwendungen für die Informationstechnik und die regulatorischen Vorschriften. Von daher bleibt es bei rund 120 Euro Kosten pro Kunde und Jahr für ein normales Girokonto.

Auf der anderen Seite haben Banken 2010 bis 2014 dank Gebühren und Serviceleistungen jährlich rund 80 Euro je Konto eingenommen. Dieser Betrag ist seither um 15 Euro auf 65 Euro geschrumpft. Noch deutlich fallen die Einbußen bei den für Kunden nicht sichtbaren Erträgen rund ums Girokonto aus. Sie betrugen bis 2014 etwa 120 Euro jährlich. Aktuell stehen nur noch 45 Euro zu Buche. Unter anderem, weil sich durch den Verleih des Geldes kaum noch Zinsen verdienen lassen.

Das Girokonto wird für Banken zum Minusgeschäft

Stellt man nun Kosten und Einnahmen gegenüber, bleibt aus Bankensicht ein Minus von zehn Euro je Kunde. Hier gilt es, so die Unternehmensberatung Boston Consulting, gegenzusteuern. Zum Beispiel, indem die Kontoführungsgebühren angehoben werden. Die Treue der Kunden zur Bank werde dadurch kaum auf die Probe gestellt. Bislang gibt es jedenfalls nur sehr wenige Verbraucher, die aufgrund einer Gebührenerhöhung das Girokonto gekündigt haben.

Hieran zeige sich, dass nicht alle Deutschen Billigheimer seien. Für sie habe das Konto noch einen Wert. Das belegen auch 70 von 100 Millionen Girokonten, die bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken geführt werden. Den Banken rät die UCG übrigens nicht nur, an den Gebühren zu arbeiten. Sie sollen nach Möglichkeit auch auf den Zug innovativer Finanzlösungen aufspringen und nach sinnvollen Partnerschaften suchen, um Kundendaten künftig besser zu nutzen.