Kommt der Deckel für den Dispozins?

Dienstag den 6.10.2015

Der Zankapfel namens Dispositionszins ist wieder im Gespräch. Jahrelang wird inzwischen darüber gestritten, wie man den Banken am besten auf die Finger klopfen kann, damit die Kontoüberziehung nicht gleich zur Schuldenfalle wird. Geht es nach der Bundesregierung soll Transparenz den Markt regulieren und die Banken zum Handeln zwingen. Der Bundesrat indes, dominiert von Rot-Grün, will mit einem Zinsdeckel für Ordnung sorgen. Schafft es der Vorschlag, dürften Kreditinstitute aktuell maximal 7,17 Prozent für den Dispo berechnen.

Die Idee des Bundesrates: Die Dispositionszinsen orientieren sich am Basiszinssatz, den die Bundesbank halbjährlich veröffentlicht. Als Spielraum sind acht Prozent im Gespräch, die der Basiszins nicht überschritten werden darf. Momentan liegt diese Kennziffer bei minus 0,83 Prozent. Schöpfen Banken die acht Prozent komplett aus, stehen besagte 7,17 Prozent im Raum. Deutlich weniger als derzeit verlangt wird, sollte das Girokonto in die roten Zahlen geraten.

Ziel der Maßnahme ist es, der „Willkür der Banken ein Ende zu setzen“. Die Grünen werden noch deutlicher. Sie wollen der „Abzocke mit horrenden Überziehungszinsen endlich einen Riegel vorschieben“. Damit folgt der Bundesrat den Forderungen, die von Verbraucherschützern immer wieder vorgebracht wurden. Sie sprechen sich schon lange für einen Zinsdeckel aus, wobei der Aufschlag auf den Basiszins vor einigen Jahren noch deutlich niedriger angesetzt worden war.

Die Bundesregierung hält wenig davon, direkt in die Kalkulation von Banken einzugreifen. Sie will mit der Pflicht, die Zinssätze offen zu publizieren, für eine gewisse Marktregulation sorgen. Zudem sollen Verbraucher künftig ausführlich beraten werden, wenn sie längere Zeit den Dispositions- oder Überziehungskredit ihres Kontos nutzen. Ob der Bundesrat sich mit seiner Variante, der Deckelung, durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Letztlich handelt es sich in diesem Fall nur um eine Empfehlung. Deshalb sind Experten eher skeptisch, dass Banken künftig mit einem Zinsdeckel rechnen müssen.

Das Verbraucherportal girokonto.info gibt zu Bedenken, dass ein Zinsdeckel den Banken weniger Einnahmespielraum lässt. Wollen oder können Banken diese Einnahmen nicht verlieren, werden sie auf anderem Weg Kosten an den Verbraucher weiterreichen. Vermutlich ist es dann vorbei mit kostenlosen Girokonten, die kostenlose Giro- und Kreditkarten sowie kostenlose Bargeldabhebungen bieten. Fraglich ist zudem, warum man eine Girokonto-Verschuldung durch günstigere Zinsen per Gesetz und Erlass attraktiver gestalten muss? Es gibt deutlich günstigere Ratenkredite von genau den gleichen Banken, denen man den Deckel beim Dispozins verpassen will. Müssen „wir“ jeden Verbraucher „schützen“, der einfach nur zu bequem ist, sich zu informieren und seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen?