Wertvoller Datenfluss beim Girokonto

Dienstag den 25.08.2015

Wie wichtig Banken das Girokonto ist, beweisen die Prämien, die nach wie vor für Neukunden ausgelobt werden. In der Regel sind es Geldgeschenke um 100 Euro, insbesondere von Direktbanken. Die Filiale um die Ecke wiederum wartet nicht selten mit einem Präsent auf. Dass die Spendierhosen trotz Niedrigzinsen noch modern sind, hat einen guten Grund. Das laufende Konto ist das wichtigste finanzielle Werkzeug für jeden Verbraucher. Hier können Banken exakt ablesen, wie der Kunde „tickt“.

Bankenexperte Sven Korschinowski erklärte dazu gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Bislang haben die Institute dieses Wissen kaum genutzt.“ Künftig werde aber versucht, anhand dieser Daten passende, individuell zugeschnittene Angebote zu unterbreiten. Etwa für die Altersvorsorge oder einen günstigen Ratenkredit. Hieran zeigt sich einmal mehr, wie wertvoll Daten sind. Da lohnt es sich für Banken durchaus, ein paar Euro zu investieren, um neue Kunden für sich zu gewinnen.

Dass die Angebote auf fruchtbaren Boden fallen, hat vor allem einen Grund: Verbraucher sind immer geneigter, das Girokonto zu wechseln, wenn die Konditionen stimmen. Hinzu kommt künftig eine EU-Richtlinie, die den Wechsel deutlich einfacher macht. Binnen fünf Tagen muss die neue Bank alles in trockenen Tüchern haben. Grundlage bilden die Kontoinformationen der vergangenen 13 Monate. Zur Verfügung gestellt werden sie von dem Kreditinstitut, dem man den Rücken kehrt. Punkt drei, der den Kontowechsel erleichtert: die Video-Legitimation. Statt zur Post zu laufen, setzt man sich an sein Notebook und hält den Personalausweis einfach in die Kamera.

Die Aussicht auf Geld oder ein anderes Geschenk sollte den gesunden Menschenverstand aber nicht ganz ausschalten. Erst ein Girokontovergleich zeigt, ob die Offerten den eigenen Bedürfnissen gerecht werden. Nicht zu vergessen: die Kosten. Die Stiftung Warentest hat jüngst erst wieder einen Blick auf die Dispozinsen geworfen. Sie sinken zwar langsam. Doch mit der offenen Kommunikation der Gebühren hapert es bei einigen Banken auch heute noch. Das alles gilt es zu beachten, ehe man nach dem Köder schnappt.