Gesetzentwurf für mehr Transparenz beim Girokonto

Mittwoch den 20.05.2015

Die Forderung steht seit Jahren im Raum, wurde zwischenzeitlich immer mal wieder aufgewärmt und scheint jetzt servierfertig zu sein: Transparenz rund um das Girokonto. Daran hapert es im Moment noch, zumindest bei vielen der Filialbanken. Wer wissen möchte, welche Kosten mit dem Konto verbunden sind, etwa bei der Nutzung des Dispokredites, muss sehr tief graben oder explizit danach fragen. Diese Praxis ist Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Sie sind jetzt gespannt, was der Gesetzentwurf von Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) bringen wird.

Noch diesen Monat soll der Entwurf im Kabinett vorgestellt werden. Der Termin für die Entscheidung ist der 27. Mai. Alle Wünsche, die im Vorfeld geäußert wurden, erfüllt das Papier von Heiko Maas nicht. Die immer wieder geäußerte Bitte, die Dispositionszinsen beim Girokonto zu deckeln, bleibt völlig außen vor. Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, ist darüber ein wenig enttäuscht. „Das wäre konsequent, um das Marktversagen zu bekämpfen“, erklärt er. Seine Hoffnung: Der Minister möge nicht unter dem Druck der Branche einknicken.

Dass die Kreditinstitute ein Wörtchen mitreden wollen, haben sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Schließlich geht es um ihr Geschäftsmodell und damit auch den Gewinn. Gänzlich ungeschoren werden die Banken aber wohl nicht bleiben. Der Gesetzentwurf macht sich für die Rechte der Verbraucher stark. Künftig sollen die Dispozinsen für jedermann sichtbar auf den Internetseiten der Banken veröffentlicht werden. Damit haben Girokontovergleiche und auch Verbraucherportale die Möglichkeit, eine Übersicht zu den Angeboten zu erstellen.

Darüber hinaus sollen Banken in die Pflicht genommen werden, ein Beratungsgespräch mit Kunden zu führen, die ihr Konto mehr als drei Monate lang überzogen haben. Thema dieses Gesprächs: günstigere Alternativen zum Dispositionskredit. Dazu zählt laut Aussagen der Verbraucherschützer unter anderem der Ratenkredit. Während der Dispo im vorigen Jahr durchschnittlich mit 10,65 Prozent zu Buche geschlagen hat, kostete ein normaler Ratenkredit im Schnitt lediglich 4,54 Prozent Zinsen. Die Hoffnung ruht darauf, dass die Konditionen für die Kontoüberziehung aufgrund der Transparenz künftig nachgebessert werden.