Schadet das kostenlose Girokonto dem Profit?

Mittwoch den 28.01.2015

Banken, die zu hohe Gebühren verlangen, haben beim Girokontovergleich keine Chance. Sie landen in der Regel weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen und müssen sich darüber hinaus vorwerfen lassen, zu wenig an die Kunden zu denken. Dabei machen doch gerade Kreditinstitute, die sich ihre Leistungen „angemessen“ bezahlen lassen, alles richtig – findet zumindest die scheidende Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König.

„Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen, wirtschaftlicher Logik entsprechen sie nicht“, erklärte die BaFin-Präsidentin während des Neujahrsempfangs der Behörde. Auch Fusionen von Bankhäusern missfallen ihr, weil aus zwei hässlichen Entlein nur selten ein schöner Schwan werde. Und sie hat noch einen weiteren Ratschlag, der sich insbesondere an Filialbanken richtet: Die Unternehmen sollten über ihre Präsenz in der Fläche nachdenken. Die Redakteure der „Welt“ sehen darin die indirekte Aufforderung, Filialen zu schließen.

Ein solcher Rundumschlag ist eher selten. Hervor sticht vor allem Hinweis auf das unwirtschaftliche Modell des kostenlosen Kontos. Elke König bezieht sich hier auf die Profitabilität, bei der deutsche Banken im internationalen Vergleich nicht gerade gut abschnitten. Mit dieser Aussage steht sie allerdings auf direktem Konfrontationskurs zur Politik, den Überlegungen der EU und den Verbraucherzentralen. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder moniert, dass manches Girokonto viel zu teuer ist, teils sogar Abmahnungen ausgesprochen.

Dass die Anregung von Elke König in nächster Zeit Realität werden könnte, ist deshalb eher unwahrscheinlich. Zwar wird immer wieder das Ende des kostenlosen Kontos postuliert. Bislang haben sich aber nur wenige Banken „getraut“, die Gebührenschraube anzuziehen. Denn die Konkurrenz schläft nicht, sondern winkt mit satten Neukundenboni und der gebührenfreien Kontoführung. Oder anders ausgedrückt: Der Markt bestimmt die Spielzeuge.