Kein Naturrecht auf ein kostenloses Konto

Dienstag den 18.11.2014

Inzwischen sind viele Monate vergangenen, seit zuletzt laut darüber nachgedacht wurde, das kostenlose Girokonto in die Wüste zu schicken und die Kontoführungsgebühr zu reaktivieren. Dieser Gedanke keimt langsam wieder auf. Hintergrund: Banken fällt es zunehmend schwerer, rentabel zu arbeiten. Mit der Differenz zwischen den Zinsen, die für Spareinlagen gezahlt und die für Kredite verlangt werden, kommen die Unternehmen in der Niedrigzinsphase nur noch schwer auf einen grünen Zweig. Das gilt umso mehr, wenn man die höheren Eigenkapitalanforderungen berücksichtigt. Jetzt sollen die Kunden ran.

Vorschläge, wie man dem Dilemma entkommen kann, stammen von der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Verbraucherfreundlich sind die Ideen nicht. Um Kosten zu sparen, wird Banken geraten, ihr Filialnetz deutlich grobmaschiger zu gestalten, über Fusionen nachzudenken sowie Provisionen und Gebühren anzuheben. Damit ließen sich die Erträge steigern, so Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Das sei auch zwingend nötig angesichts einer nur mäßigen Eigenkapitalrendite von 1,26 Prozent im Jahr 2013. Damit lägen deutsche Banken unter dem europäischen Durchschnitt.

Die Präsidentin der BaFin, Elke König, stößt weitgehend ins gleiche Horn. „Ein Naturrecht auf ein kostenloses Girokonto gibt es nicht überall“, betonte sie. Darüber scheine man sich nur in der Bundesrepublik Gedanken zu machen.

Dennoch zeigen sich derzeit viele Direktbanken großzügig, den Neukunden mit einem Startguthaben von 50 Euro und mehr anzulocken.

Lange dauerte es nicht, bis der Verbraucherzentrale Bundesverband auf diese Ideen reagierte. „Es ist schon frech, dass wieder einmal die Verbraucher herhalten sollen, um vermeintliche Defizite der Banken auszugleichen“, so Finanzmarktexpertin Dorothea Mohn. Sie schlägt den Banken vor, mehr über die Gehälter von Mitarbeitern und Vorständen nachzudenken.

Sollten die Kreditinstitute an der Entgeltschraube drehen, geht Michael Knobloch vom Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg davon aus, dass Verbraucherschützer die Unternehmen abmahnen. Er spricht von einem andauernden Pingpong-Spiel. Letztlich sei gegen höhere Provisionen nichts einzuwenden, so der Experte. Die Gebühren müssten allerdings der Qualität und der Leistung des Produkts entsprechen. Problematisch werde es, wenn Provisionen und Gebühren nicht transparent seien. Doch genau daran hapert es bei einigen Banken, wodurch es für Kunden relativ schwer ist, alle Aspekte zu vergleichen.