Das Girokonto übernimmt immer mehr die Rolle des Sparbuchs

Dienstag den 21.10.2014

Das Girokonto ist unbestritten das wichtigste Finanzprodukt. Über die Bankverbindung werden sämtliche Zahlungen abgewickelt, inklusive der Transaktionen, die mit der Kreditkarte oder über Online-Zahlungsdienstleister wie Paypal getätigt werden. Das Konto als Finanzzentrale zu bezeichnen, ist daher durchaus angebracht. Dass immer mehr Bankkunden dem Girokonto noch eine weitere Funktion aufbürden, ist indes nur schwer nachvollziehbar. Sie nutzen das Konto auch als Spar- und Anlageprodukt. Das gilt inzwischen für 50,3 Prozent der Bundesbürger.

Diese extrem hohe Quote überrascht, wenngleich der Trend sich zumindest ansatzweise mit der aktuellen Niedrigzinspolitik erklären lässt. Statt sich die Mühe zu machen, bessere Alternative zu suchen, bleibt das Kapital kurzerhand auf dem laufenden Konto. Das geht aus der Studie „Sparen 2014“ hervor, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Postbank durchgeführt hat. 2013 lag der Anteil derer, die ihre Ersparnisse auf dem Girokonto „anlegten“, noch bei 45,2 Prozent. 2011 betrug die Quote 38,2 Prozent.

Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann der Entwicklung immerhin eine positive Seite abgewinnen: „Die privaten Haushalte in Deutschland haben trotz Niedrigzins in den vergangenen Jahren einen Großteil ihres Ersparten zu Banken gebracht.“ Inzwischen zähle weniger der Ertrag, sondern auch das Risiko. Oder anders ausgedrückt: Angesichts unsicherer Finanzmärkte scheint das Girokonto deutlich attraktiver zu sein als Fonds und Aktien. Hinzu kommt, dass Kunden vermehrt auf Anlagen setzen, über die sie täglich verfügen können. Auch diesen Wunsch erfüllt das Girokonto. Nichtsdestotrotz sollte man sein Geld nicht unverzinst auf dem Konto lassen. Ein Umzug auf ein Tagesgeldkonto verleiht den Talerchen etwas mehr Glanz.