Der (Un-)Sinn eines staatlichen Girokontovergleichs

Dienstag den 6.05.2014

Die Pläne der Europäischen Union rund ums Girokonto werden meist nur auf einen Aspekt beschränkt: das gesetzlich verankerte Recht auf ein eigenes Konto. Dieser zentrale Punkt geht allerdings mit weiteren Pflichten einher, aufseiten der Banken und staatlicherseits. Kreditinstitute, die ihre Karten bislang nicht auf den Tisch legen wollten, müssen ihre Gebührenkataloge künftig jedermann zugänglich machen. Zudem soll in jedem Mitgliedsstaat eine unabhängige Website eingerichtet werden, mit einen Girokontovergleich aller Institute.

Mit dieser Transparenz-Offensive möchte die EU den Konkurrenzdruck weiter erhöhen und erreichen, dass insbesondere als teuer geltende Banken den Rotstift zücken. Rein theoretisch eine gute Idee. Ob sie sich später – ab 2016 – in der Praxis bewährt, muss sich zeigen.

Schon heute gibt es immer wieder Versuche, möglichst breit angelegte Girokontovergleiche zu publizieren. Bestes Beispiel ist die Stiftung Warentest. Bislang biss man bei einigen Banken zwar auf Granit. Sie gaben weder Auskünfte zu den Kosten (in dem Fall zu den Dispozinsen), noch hielt die Internetseite die gewünschten Informationen bereit. Doch auch ein Vergleich mit Mut zur Lücke trennt die Spreu vom Weizen, die teuren von den günstigen Offerten.

Passiert ist indes wenig. Die eine oder andere Bank hat seinerzeit aufgrund des kurzfristigen Drucks von außen an der Disposchraube gedreht. Mittlerweile kräht kein Hahn mehr danach und gehen einigen Unternehmen sogar dazu über, die Gebühren für das Girokonto schrittweise anzuheben. Daran dürfte auch ein staatlicher Girokontovergleich wenig ändern.

Filialbanken werden auch weiterhin mit den Kosten für die Infrastruktur argumentieren und genug Verbraucher finden, die bereit sind, für die persönliche Beratung vor Ort etwas mehr zu bezahlen. Dass es bei reinen Onlinebanken preiswertere Konten gibt und sich Geld sparen ließe, ist den meisten dieser Kunden durchaus bewusst. Dazu bedarf es keines staatlichen Vergleichs. Viele Bankkunden wollen schlichtweg nicht wechseln und werden sich auch nicht durch eine Kontenliste mit Brief, Siegel und Bundesadler dazu animieren lassen.