Dispokredit: Wie weit soll und darf die Politik das Girokonto reglementieren?

Mittwoch den 23.04.2014

„Stoppt die Dispo-Abzocke!“, fordert die Bild-Zeitung in einem Kommentar. Diese Überschrift hätte man in den vergangenen Jahren problemlos öfter verwenden können. Denn am Umstand, dass die Habenzinsen immer weiter in den Keller rutschen, während der Dispositionskredit sich hartnäckig auf einem hohen Niveau hält, hat sich seit gefühlten Ewigkeiten nichts geändert. Dass dem Thema jetzt wieder etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, liegt an jenen Banken, die den Überziehungszins als zweite Stufe des Dispos von der Liste streichen.

Mit von der Partie ist jetzt auch die Sparda-Bank in Baden-Württemberg. Sie springt auf einen Zug auf, der immer mehr Fahrt aufnimmt und als Ziel „verbraucherfreundlich“ auf den Tickets stehen hat. Das System der Abschreckung passe nicht mehr in die heutige Zeit, begründet Sparda-Bank-Chef Martin Hettich die Entscheidung. Die Bankenverbände halten sich diesbezüglich zurück und geben keine Anweisungen an die Institute. Hier gilt die freie Geschäftspolitik. Aber: Vonseiten der Regierung ist im Koalitionsvertrag zumindest eine Warnung an Kunden vorgesehen, die sich zu lange im Dispositionskredit bewegen.

Banken halten einen solchen Hinweis für „nicht zeitgemäß“. Die meisten Kunden könnten ihren Kontostand jederzeit online oder per SMS abrufen und seien damit bestens im Bilde, wie es um das Girokonto bestellt ist, meint Martin Hettich. Commerzbank-Chef Martin Blessing würde sogar noch einen Schritt weitergehen als die Politik. Er spricht sich für „ein Gesetz gegen das dauerhafte Nutzen des Dispo-Kredits“ aus und fordert eine „Dispo-Nutzungsbremse“. Ziel sei es, Betroffene nach zehn Tagen per SMS oder E-Mail auf das Soll hinzuweisen und mit ihnen über günstigere Kredite zu sprechen. Ein durchaus löblicher Wunsch, der in Branche aber wohl eher auf taube Ohren treffen wird.