Hamburger Sparkasse: Strafzinsen auf dem Girokonto

Montag den 10.09.2018

Die Hamburger Sparkasse, kurz Haspa, verlangt von gut betuchten Kunden ab dem 1. September Strafzinsen. Darauf weisen mehrere Finanzportale und Nachrichtensender hin. Das Bankhaus berechnet demnach 0,4 Prozent Gebühren auf dem Girokonto und dem Tagesgeld, wenn das Guthaben 500.000 Euro übersteigt. Damit reagiert die Sparkasse nach eigenen Aussagen lediglich auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Verwahrentgelte für Reiche

Die Niedrigzinsphase hält an und sorgt neben schmalen Renditen auch für höhere Kosten. Das gilt insbesondere für das Girokonto. Hier zeigen sich Banken schon seit Monaten kreativ, indem nicht nur die Kontoführungsgebühren angehoben, sondern auch neue Kostenfaktoren eingeführt werden. Viele Kreditinstitute wollen inzwischen zum Beispiel Geld für Barverfügungen. Ein Aspekt war dabei bislang jedoch weitgehend taub: Strafzinsen.

Dass die Hamburger Sparkasse sich dennoch für ein sogenanntes Verwahrentgelt entschieden hat, liegt an der Politik der EZB. Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg, erklärt die Hintergründe: „Wenn Kunden größere Mengen Bargeld auf Giro- und Tagesgeldkonten verwahren, kostet dies die Haspa Tag für Tag sehr viel Geld.“ Zudem würden einige Kunden gezielt höhere Beträge auf ihr Sparkassen Girokonto umbuchen, weil andere Banken schon längere Zeit mit Strafzinsen arbeiten.

Hoffen auf eine nachhaltige Änderung der Zinspolitik

Das neue Entgelt soll keine dauerhafte Einrichtung bleiben. Sollte die EZB ihre Zinspolitik nachhaltig ändern, sehe auch die Hamburger Sparkasse „keine Veranlassung mehr, von unseren Kunden ein Verwahrentgelt zu nehmen“. Bis dahin wird vermutlich noch einige Zeit vergehen. Kunden, die von den Strafzinsen betroffen sind, bleibt in dem Fall nur ein Girokontovergleich und der Wechsel der Bank.

Ob die Hamburger Sparkasse mit ihren Negativzinsen auf dem Tages- und Girokonto rechtlich einwandfrei handelt, ist umstritten. Das Landgericht Tübingen hatte erst kürzlich entschieden, dass bei einem kostenpflichtigen Konto keine zusätzlichen Negativzinsen erhoben werden dürfen (Aktenzeichen 4 O 225/17). Zudem ist damit zu rechnen, dass Verbraucherschützer sich die Zins-Konstellation genauer ansehen und dem Girokonto der Haspa die rote Karte zeigen.