Negativzinsen befeuern die Wechselbereitschaft

Mittwoch den 30.08.2017

Der Begriff „Negativzinsen“ hat einen unangenehmen Beigeschmack. Glücklicherweise gehört er noch nicht zum Standardvokabular bei deutschen Kreditinstituten. Das würde die meisten Sparer abschrecken und sie in letzter Konsequenz zu einem Bank- und Girokontowechsel veranlassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Marktwächterteams der Verbraucherzentrale Sachsen.

Höhere Gebühren werden eher akzeptiert

Die Frage, wie sich Negativzinsen auf die Treue von Bankkunden auswirken, ist durchaus berechtigt. Noch bleibt die Schranke zu bzw. wird nur für Kunden mit extrem hohen Einlagen geöffnet. Wie Banken künftig mit dem Thema „Straf-Zinsen“ auf dem Girokonto umgehen, ist völlig offen. Derzeit gehen die meisten Institute einen anderen Weg. Sie konstruieren neue Kontomodelle und überarbeiten die Gebührenstrukturen.

Bereits diese Entwicklung hat erste Auswirkungen gezeigt. Viele Verbraucher – wenngleich deutlich weniger als erwartet – haben ihrer Hausbank den Rücken gekehrt und ein günstigeres Girokonto eröffnet. Dabei haben Direktbanken die Nase ganz klar vorn. Sie verzichten weitgehend auf Kontoführungsgebühren, punkten mit einem breiten Leistungsspektrum und müssen sich auch in puncto Service nicht hinter den Filialbanken verstecken.

Mehrheit sieht Negativzinsen kritisch

Doch was würde passieren, wenn tatsächlich Negativzinsen eingeführt werden? Dazu haben sich in der Zeit vom ersten bis zum vierten August 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren geäußert. Die Umfrage zeichnet ein sehr klares Bild. 59 Prozent der Teilnehmer würden ohne Umschweife das Girokonto wechseln. Für weitere 15 Prozent wäre dieser Schritt wahrscheinlich. Auf der anderen Seite halten elf Prozent einen Wechsel der Bank für unwahrscheinlich und sechs Prozent für sehr unwahrscheinlich. Nicht festlegen wollten sich sechs Prozent der Umfrageteilnehmer.

Während höhere Gebühren bis zu einem gewissen Grad toleriert werden, hätten Negativzinsen deutlich mehr Einfluss auf die Entscheidung für ein neues Girokonto. Dessen scheinen sich die Banken bewusst zu sein. Die ohnehin latent vorhandene Wechselbereitschaft durch die Einführung von Strafzinsen auf Girokonto-Guthaben weiter zu befeuern, wäre wirtschaftliches Harakiri. Für Verbraucher bleibt es indes dabei: Ein Girokontovergleich macht sich bezahlt.