Darf ein gebührenfreies Girokonto zehn Euro kosten?

Dienstag den 27.06.2017

Nachdem die meisten Banken ihre Gebührenkataloge überarbeitet haben, steht der Begriff kostenloses Girokonto auf sehr dünnen Beinchen – oder bedarf einer völlig neuen Definition. Denn an der Frage, wann ein Konto tatsächlich gebühren- oder kostenfrei ist, scheiden sich die Geister. Das belegen inzwischen auch einige Abmahnungen. Im aktuellen Fall ist die Sparda-Bank Baden-Württemberg betroffen.

Streit um die Begriffe kostenlos und gebührenfrei

Bereits im Januar war die Wettbewerbszentrale gegen eine Sparda-Bank aus Nordrhein-Westfalen vorgegangen. Das Landgericht Düsseldorf hatte dem Kreditinstitut seinerzeit die Werbung für ein „kostenloses Girokonto“ verboten, weil die Kunden jährlich zehn Euro für die Girokarte bezahlen mussten (Aktenzeichen 38 O 68/16).

Jetzt steht die Sparda-Bank Baden-Württemberg im Focus. Auch hier kostet die EC-Karte zehn Euro pro Jahr. Die Kontoführung an sich ist kostenlos. Da die Karte nötig ist, um das Girokonto vollumfänglich nutzen zu können, hat die Wettbewerbszentrale auch hier die rote Karte gezückt und das Institut abgemahnt. Die Sparda-Bank weigert sich allerdings, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben.

„Wir reden von gebührenfrei und nicht von kostenlos“, betont ein Sprecher der Sparda-Bank Baden-Württemberg. Mit gebührenfrei beziehe man sich auf die Kontoführungsgebühren. Zudem sei die Karte aus Sicht der Sparda-Bank nicht Bestandteil des Kontos, sondern ein gesondertes Produkt. Denn das Girokonto könne auch ohne die Bankkarte genutzt werden. Geld gebe es dann am Schalter und die Kontoauszüge online.

Kosten über einen Girokontovergleich klären

Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Richter die Bezeichnung gebührenfrei einschätzen. Für Verbraucher wird es jedenfalls immer schwerer, den Durchblick zu behalten. Denn wo „kostenlos“ oder „gebührenfrei“ draufsteht, können durchaus Kosten anfallen. Das gilt mal für die Bankkarte, dann für die Kreditkarte oder ab der dritten Barverfügung an Geldautomaten.

Um auf Nummer sicher zu gehen, lohnt sich ein Blick in unseren Girokontovergleich. Zudem sollte man vor dem Antrag für das Konto stets das Preisleistungsverzeichnis einsehen. Das nimmt ein paar Minuten Zeit in Anspruch, spart auf Dauer aber viel Geld.