Die Gebühren für Girokonten steigen weiter

Dienstag den 13.06.2017

Das Bankenbarometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat einen durchweg positiven Grundtenor, hält für Verbraucher aber keine sonderlich guten Nachrichten parat. Die Umfrage bei 120 Banken ergab, dass viele Institute weiter an der Gebührenschraube drehen wollen. Das gilt in erster Linie für das Girokonto und bestätigt einmal mehr die Prognosen, wonach kostenlose Konten ein Auslaufmodell sind.

27 Prozent drehen an der Gebührenschraube

27 Prozent der befragten Kreditinstitute haben bereits oder werden in diesem Jahr die Gebühren für das Girokonto anheben. Auch bei anderen Leistungen müssen sich Kunden auf höhere Kosten einstellen. Das gilt unter anderem für Überweisungen, Kreditkarten und Barverfügungen an Geldautomaten. In diesen Bereichen wollen 16 bis 19 Prozent der Unternehmen die Gebührenkeule schwingen.

Dirk Müller-Tronnier, Leiter des Bereichs Banken bei EY, sieht die Entwicklung kritisch. „Banken müssen sich Gedanken machen: Wie finanziere ich meinen Betrieb“, so der Experte. Da scheine es nahezuliegen, die Gebühren anzupassen. Es stelle sich allerdings die Frage, ob man sich das auch leisten könne. Denn es herrsche nach wie vor ein harter Wettbewerb am deutschen Bankenmarkt. Heißt: Wer die Preise anhebe, müssen damit rechnen, von billigeren Anbietern attackiert zu werden und Kunden zu verlieren.

Kreditinstitute sind positiv gestimmt

Laut Dirk Müller-Tronnier sei es für Banken sehr schwer, neue Geschäfts- und damit Einnahmequellen zu finden. Nichtsdestotrotz sind die Unternehmen weitgehend zufrieden. 84 Prozent erwarten im Privatkundengeschäft eine positive Entwicklung. Im Firmenkundengeschäft beträgt der Anteil sogar 94 Prozent. Auch in den Bereichen Kreditvergabe und Immobiliengeschäft soll alles so bleiben wie gehabt. Restriktiver handeln als bisher wollen lediglich elf Prozent der Banken.

Ob es nur die gute Miene zum bösen Spiel ist, wird sich zeigen. Denn die Umstände sind alles andere als perfekt. Die Niedrigzinsphase, so der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, fresse sich wie ein schleichendes Gift in die Bilanzen und die Gewinn- und Verlustrechnungen der Banken. Reagieren will die Branche mit Sparmaßnahmen wie Stellenstreichungen und Fusionen. Nicht zu vergessen, die höheren Gebühren für das Girokonto.